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2013 beginnt die 4-jährige Abschiedstour

[18.12.12] - Nach reiflichem Überlegen hat Martin C. Herberg sich entschieden, die Zahl seiner Auftritte ab 2013 deutlich auf unter 100 pro Jahr zu reduzieren und bis einschließlich 2016 nur noch insgesamt 300 Auftritte zu absolvieren. Allerdings sind trotz vieler Bedenken (siehe unten) noch eine letzte CD und eine DVD in Planung.

Für diesen Entschluss gibt es jede Menge Gründe, zu denen Martin hier persönlich Stellung nimmt:

A.S.: Ich hoffe, dass meine treuen Fans für meine Entscheidung Verständnis haben. Ich hab's zumindest rechtzeitig angekündigt und es wird ja auch noch neue Tonträger geben. Das bin ich Euch ja auch wirklich schuldig, weil Ihr ja garnix dafür könnt.

Liebe Leute!
Einer meiner berühmteren und von mir sehr geschätzten Kollegen hat sich ja kürzlich sehr dezidiert zu einigen der auch hier auch von mir im Folgenden erwähnten Sachverhalte geäussert. Sven Regener spielt zwar in einer anderen „Liga“, aber in einer Beziehung sind wir der gleichen Ansicht: Künstlerische Leistung findet in dieser Gesellschaft keine Anerkennung mehr.

Nun sind einige meiner Probleme sicherlich anders gelagert, da ich ja „nur“ in der „Kleinkunstszene“ unterwegs bin. Hier ist der zu betreibende Aufwand, um ein halbwegs gut besuchtes Konzert zu arrangieren und durchzuführen so immens gestiegen, dass jegliche künstlerische Kreativität auf der Strecke bleibt. Ich komme weder zum Üben noch zum Komponieren. Zudem bin ich ständig damit beschäftigt, Steine aus dem Weg zu räumen, die mir irgendwelche Sesselfurzer in den Weg legen.

Damit sich mein Stress und meine daraus resultierende schlechte Laune nicht negativ auf meine Bühnenarbeit auswirkt, habe ich also diese Ruhestandsstrategie entwickelt, bei der ich überschaubar
von Jahr zu Jahr weniger arbeite. Ich muss beispielsweise keine neuen Veranstalteradressen mehr akquirieren und keine sinnlosen, zeitraubenden Versuche mehr unternehmen, mich durch Werbeaktionen, Festivalauftritte, Auftritte im Vorprogramm von bekannten Bands, für die man allerdings keine Gage bekommt, etc. einem „größeren“ Publikum bekannt zu machen.
Und so werde ich mir eben nicht bis ans Ende aller Tage den Arsch aufzureißen, da ich zudem das Gefühl habe, dass das, was ich mache vom überwiegenden Teil der Bevölkerung als völlig überflüssig angesehen wird. Ernsthafte Musiker -zu denen ich mich zähle- haben leider an allen Fronten zunehmende Probleme, auf die ich hier stellvertretend aber unvollständig hinweisen möchte:

Denn es ist leider so, dass die Anzahl derjenigen die sich für Kultur interessieren, spürbar abnimmt. Da meine Musik niemals massenkompatibel war und auch nicht sein wird, bedeutet das sinkende Einnahmen bei ständig steigenden Kosten (Werbung, Sprit). Auch die Veranstalter stehen unter Druck. Bei einigen „Veranstaltern“ muss man finanziell in Vorleistung gehen und im Vorhinein Raummiete, Reinigungsgebühren etc. bezahlen.

Die weniger bekannte GVL (Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten) zahlt seit 2011 kein Geld mehr an Künstler, die nicht im Radio gespielt werden. Das Geld geht jetzt an Madonna und Co. Für die „künstlerische Leistung“, die sie beim Singen der NICHT von Ihnen komponierten Songs erbringen. Da diese Leute Tag für Tag ununterbrochen irgendwo gedudelt werden, dürfte für sie ein erkleckliches Sümmchen zusammenkommen, welches sie für das tägliche Überleben sicherlich auch dringend benötigen. Also bitte kein Sozialneid. Und die müssen ja auch viel Steuern zahlen...

Des weiteren zahlt die GEMA ab 2013 deutlich weniger Tantiemen an Künstler, die in kleineren Spielstätten auftreten. Wenn man während seines Konzerts Musikstücke spielt, die auch aktuell im Öffentlich Rechtlichen Radio gespielt werden, bekommt der jeweilige Urheber dafür mehr Geld, da diese Stücke von Seiten der GEMA höher bewertet werden.
Das wäre ja eventuell diskutabel, wenn auch weniger bekannte Künstler/Urheber im Öffentlich Rechtlichen gespielt würden. Aber da gibt es statt kultureller Vielfalt nur einfältige Quote. Manche nennen es auch „Zensur“. So gut wie keines meiner Stücke wurde je im „öffentlichen“ Radio gespielt. Die kleinen, unabhängigen Lokalsender (Bürgerradios, Studentenradios, etc.), die unsereins schon mal spielen, zahlen lediglich eine Pauschale, von der bei uns nix ankommt und sie sind halt nicht „öffentlich-rechtlich“. Die Kommerzsender spielen eh nur maximal 1000 „verschiedene“ Titel im Jahr.

Alle meine maßgeblichen Studio-Cds haben hervorragende Kritiken bekommen, aber nur wenige haben die Produktionskosten eingespielt.
Der CD-Verkauf ist auch bei mir rückläufig. Unter anderem, weil gebrannt und gesaugt wird, was das Zeug hält. Ich habe nicht die geringste Lust (auch nicht gegen Bezahlung!) meine Musikstücke in minderwertiger Mp3 Qualität im Netz als Download anzubieten, da ich meine Produktionen auch deswegen mit großem finanziellem Aufwand aufgenommenen habe, um bestmögliche Tonqualität anbieten zu können. Den Trend, Musik so zu komprimieren und zu mixen, dass sie sich als mp3 oder im Autoradio oder beim Staubsaugen ganz gut anhört, werde ich nicht mitmachen.

In weiten Kreisen, insbesondere der jüngeren Bevölkerung (Fratzenbuchnutzer, Piraten, etc.), scheint der Konsens zu herrschen, dass Diebstahl legitim ist und somit komplett legalisiert werden sollte.
Dass Urheber gefälligst umsonst arbeiten sollen und dass sie allenfalls die Erlaubnis bekommen sollten, einen „freiwilligen“ Beitrag erbetteln zu dürfen. (Leute die umsonst arbeiten, wurden übrigens früher „Sklaven“ genannt.)

Sämtliche Großen Brüder dieser Schönen Neuen Welt (Google, YouTube, Fratzenbuch) sind natürlich auch dieser Meinung, da sie ja noch mehr mit den Leistungen der Urheber verdienen, wenn sie diesen garnix zahlen. Youtube zahlt den Urhebern derzeit 0,000115 Euro pro Videoabruf.
Mithin erhält der Urheber bei Einer Million Klicks 118,50 Euro. Derweil generiert Youtube durch diese eine Million Klicks 5.000 Euro. Der in dieser Angelegenheit redlich verhandelnden Gema ist es bislang leider nicht gelungen diesen Zustand zugunsten der Urheber zu verändern. Derweil regen sich die Doof-User darüber auf, dass die GEMA Seiten gesperrt oder zensiert habe. In Wirklichkeit ist Youtube gar nicht im Besitz einer Lizenz und darf also gar nicht veröffentlichen.

Für die ganz Doofen: ein Auto darf man auch nur fahren, wenn man erstens eine Fahrerlaubnis (kostet Geld!) hat und man zweitens das Fahrzeug gekauft oder geleast oder gemietet hat (kostet auch Geld!)
Nun möge man mich bitte nicht darauf hinweisen, dass das hier von mir Geschilderte doch in einem größeren Kontext zu sehen sei, da das Ganze stark im Zusammenhang mit aktuellen gesellschaftliche Fragen stehe, stände, stünde. Weiß ich und auch ich kann schon länger keinen richtigen Konjunktiv mehr. Wir leben halt seit geraumer Zeit im dritten Jahrtausend.

Nix für ungut!

Liebe Grüße

Euer martinC

P.S.: Ich hoffe, dass meine treuen Fans für meine Entscheidung Verständnis haben. Ich hab's zumindest rechtzeitig angekündigt und es wird ja auch noch neue Tonträger geben. Das bin ich Euch ja auch wirklich schuldig, weil Ihr ja wirklich nix dafür könnt.

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